Rufer-Gedanken-Splitter

Der (kleine) goettliche Kern in uns

06-10-2011

Ich glaube, und das ist auch meine Erfahrung als Psychotherapeutin, dass jede/r einen göttlichen Kern in sich trägt. Er ist mein innerster Teil, der unzerstörbar ist.  In diesen Kern hat Gott sein Bild von mir hineingelegt, das, wie ich von ihm gedacht und gewollt bin. Er ist sein Geschöpf, sein Atem, den er uns eingegeben hat.

Im Laufe unseres Lebens geschieht es, dass dieser Kern durch  unsere Erfahrungen, Verletzungen, Lieblosigkeiten anderer, Missbrauch,  Gewalt und Katastrophen sich immer mehr verändert. Er verliert seine Leuchtkraft, seine Ursprünglichkeit und gedachte Form .  Oft ist er von  dicken Schmutz- und Schlammschichten umgeben. Diese Schichten verhärten immer mehr, bis man selbst diesen Kern nicht mehr wahrnimmt, bzw. nicht mehr an ihn glaubt. So entfernen wir  uns immer mehr von dem, wie Gott uns gedacht hat. Auch in unserem Verhalten werden wir lieblos, egoistisch, aggressiv und gewalttätig. Wir entwickeln Überlebensstrategien und Schutzmechanismen, um den Kern vor weiteren Verletzungen zu bewahren. So wollen wir nicht mehr Verlierer sein, sondern Sieger; nicht mehr Opfer sondern Täter; nicht mehr selbstlos, sondern egoistisch. Oder aber wir bleiben in der Opferhaltung, fühlen uns hilflos und ohnmächtig den Umständen und Gegebenheiten unseres Lebens gegenüber. Wir klagen an, sind mürrisch und unzufrieden. In jedem Fall aber entfernt sich der Kern immer mehr von seinem wirklichen, gottgewollten Wesen.

Aber ganz tief in unserem Inneren bleibt eine hohe Bedürftigkeit und Sehnsucht, die Bedürftigkeit geliebt und gesehen zu werden und die Sehnsucht  danach heil zu werden. Umkehr heißt dann (auch und vor allem), sich in seiner Bedürftigkeit wahrzunehmen.

Um Heil zu werden müssen wir diesen Kern mit all seinem „Schmutz“  und dem was ihn umgibt annehmen und als Teil von uns begreifen lernen. Der Schmutz und Schlamm ist Teil unserer Schattenseite, die, die wir ungern anschauen wollen. Aber erst in diesem Anschauen, Annehmen und auch vor Gott bringen, geschieht Heilung. Dann fange ich an zu begreifen, wie sehr Gott mich liebt und wie sehr ich mich auch selbst annehmen und lieben darf, so schmutzig und schlammig, wie ich bin.

R.R.


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